Koriander, Minze, Salbei und Co.

30.04.2009 Die Gärtnerei Stähli setzt auf den biologischen Anbau von Kräutern. Mehr als 120 verschiedene Würz-, Tee- oder Heilpflanzen gedeihen in den Treibhäusern.

Minze ist nicht gleich Minze. Dies wird einem rasch klar, wenn man sich in der Gärtnerei umschaut. Da wächst die Schwarze Minze neben der israelischen oder der spanischen Minze. Sogar eine «Stähli»-Minze findet sich im Schaugarten. «Diese Minzenart wächst schon seit einigen Jahren bei uns. Wir haben bislang noch nicht herausgefunden, um was für eine Sorte es sich hier genau handelt. Auch Fachleute konnten nicht weiterhelfen», erklärt Gärtner Beat Holderried. «Solange, wie wir die Pflanze nicht genau bestimmen können, nennen wir sie ‹Stähli›-Minze.» Sie ist eine von 19 Minzen-Sorten und als Tee eine der schmackhaftesten, wie Holderried erklärt.

Schön und schmackhaft

«Die Knoblauchlilie sieht mit ihren grün-gelb-gestreiften Blättern nicht nur schmuck aus, sondern schmeckt auch sehr stark und eignet sich daher als Gewürz» In der Tat verbreitet die Pflanze im Mund einen sehr starken Knoblauchgeschmack. Ein krasser Gegensatz dagegen ist der Pfirsich-Salbei. Seine filigrane Blüte schmeckt süss und eignet sich daher, um etwa ein Dessert zu süssen und gleichzeitig zu dekorieren.
Beat Holderried findet, dass Kräuter aus biologischem Anbau intensiver schmecken als andere. Die Gärtnerei Stähli hat ihren Betrieb offiziell per Anfang 2009 umgestellt. «Wir haben aber schon im vergangenen Jahr nach den biologischen Richtlinien gearbeitet», erklärt Firmeninhaber Reto Stähli. Als Pflanzerde wird Kompost verwendet, der aus Pflanzabfällen selber hergestellt wird. «Wir verwenden seit Jahren keine Torferde mehr. Diese stammt mittlerweile aus Mooren in Weissrussland», hält Reto Stähli fest. Zudem seien heute auch biologische Dünger erhältlich, ohne diese die Gärtnerei nicht auskommen würde. «Wir setzen Hornmehl ein, das aus geriebenen Rinderhörnern und -klauen hergestellt wird», erklärt Beat Holderried. Auch bei der Bekämpfung von Unkräutern und Schädlingen sind die biologisch arbeitenden Gärtner gefordert. Gute Erfahrungen haben sie mit Knoblauch-Saft gemacht, der verdünnt auf die Pflanzen gespritzt wird. «Der Geschmack vertreibt die Schädlinge, zudem wird der Zuckergehalt der Pflanze etwas erhöht. Dies verbessert ihren Geschmack.»

Bio-Geranien sind weniger gefragt

Angeboten werden in der Gärtnerei auch Pflanzen, die in konventionellen Gärtnereien gezüchtet wurden. So stehen etwa Geranien in verschiedenen Farben im Treibhaus und warten darauf, in ein Kistchen gepflanzt und an einen Balkon gehängt zu werden. Warum ziehen sie keine Bio-Geranien? «Der Platz reicht nicht aus, um alle Pflanzen des Sortiments selber herzustellen», nennt Reto Stähli einen Grund. «Zudem sei die Nachfrage nach Bio-Geranien eher gering.»
Mit dem Angebot biologischer Kräuter versucht die Gärtnerei eine Marktnische zu füllen. «Kräuter hatten wir schon immer; nun haben wir das Sortiment stark erweitert», sagt Reto Stähli, der den Bereich Landschaftsgärtnerei leitet, wo 15 Personen beschäftigt sind.

Klein, aber fein

Um die Pflanzen der Gärtnerei kümmern sich nebst Beat Holderried, noch ein Lehrling sowie eine Aushilfe. Beat Holderried könnte sich nicht mehr vorstellen, in einer grossen Gärtnerei zu arbeiten, wo Pflanzen für den Grosshandel gezogen werden. «Für die Belieferung eines Grossverteilers sind wir viel zu klein. Da muss man von heute auf morgen 10’000 Thymian liefern können», meint Reto Stähli. Von manchen Kräutern wachsen erst ganz wenige Exemplare in der Gärtnerei, etwa von der Etagenzwiebel, von welcher lediglich zwei Exemplare bestehen.

Säen, Stecklinge setzen oder teilen

Die Pflanzen werden in der Gärtnerei vermehrt und schliesslich zum Verkauf angeboten. «Die einen Kräuter kann man säen, bei anderen schneidet man einen Steckling ab und pflanzt diesen ein und bei den Dritten kann man den Wurzelstock teilen», erklärt der Gärtner das Vorgehen. Bei wenigen Kräutern werden auch Wildformen angebaut, etwa bei Salbei, Baldrian oder Frauenmantel. Derzeit werden die verschiedenen Kräuter umgetopft, um diese dann auf dem Wochenmarkt in Langnau anzubieten. Bei den Heilkräutern sei in den letzten Jahrzehnten ein enormes Wissen verloren gegangen, meint Stähli. Beat Hoderried pflichtet ihm bei: «Wer weiss heute noch, dass man einen Insektenstich mit einem Spitzwegerichblatt behandeln kann, indem man mit dem Blatt auf der Wunde reibt.»

 
 
   
   
 
   
 
       
       
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