Berner Zeitung - Die Tage der Gärtnerei sind gezählt

Vor zehn Jahren kaufte Reto Stähli die Gärtnerei Alpina in Langnau. Nun geht sie zu. Was mit der Liegenschaft passiert, ist noch offen.

Die beiden Gewächshäuser sind praktisch leer. Das Angebot an Kräutern, Gemüsesetzlingen und Stauden ist nur noch dürftig. «Wir haben gut verkauft», sagt Reto Stähli. Doch der zufriedenstellende Absatz ist nicht etwa auf einen Tag der offenen, sondern auf bald geschlossene Türen zurückzuführen.

Denn Reto Stähli, Inhaber der Stähli Gartengestaltung GmbH, schliesst am kommenden Freitag die Gärtnerei Alpina in Langnau. Aus diesem Grund hat er vor rund drei Wochen einen Ausverkauf gestartet. Er habe sich entschlossen, das Geschäft zu schliessen, weil die Kundenfrequenz zusehends abgenommen habe. «Die Leute können bei den Grossverteilern die Pflanzen und Blumen günstiger einkaufen, als in einer Dorfgärtnerei», sagt er.

Vor zehn Jahren gekauft

Die Gärtnerei Alpina in der Oberstrasse befindet sich nur einen Steinwurf vom Friedhof entfernt. Vor zehn Jahren kaufte Stähli die Liegenschaft der Gemeinde Langnau ab. Diese hatte die Gärtnerei vorher selber betrieben. Während er mit dem Verkauf von Blumen und der Produktion von Setzlingen und Zierpflanzen aufhört, wird Stähli die Gartengestaltung und die Grabbepflanzung weiter anbieten.

Als er noch Kind gewesen sei, habe es in Langnau sieben Dorfgärtnereien gegeben, erinnert sich der 42-Jährige. Heute, abzüglich der Alpina, seien es noch deren zwei. «Es ist wie mit den Bäckereien und Metzgereien, von denen es auch immer weniger gibt.»

Neubau in Signau

Doch Stähli bekommt nicht nur den Negativ- sondern auch den Aufwärtstrend zu spüren. Und zwar im Bereich Gartengestaltung. Als er 2006 das Geschäft von seinem Vater übernahm, beschäftigte er ungefähr ein halbes Dutzend Mitarbeitende, und die Stähli Gartengestaltung war auf drei Standorte in Langnau verteilt. Heute stehen 35 Namen auf der Lohnliste.

Im Frühling 2013 zügelte das Unternehmen in einen Neubau nach Signau. «Wir haben in Langnau kein Gewerbeland gefunden», begründet Stähli den Ortswechsel. Mit der Schliessung der Gärtnerei geht nun auch der dritte und letzte Standort in Langnau verloren. Kündigungen hingegen hat Stähli keine aussprechen müssen.

Wo die Zukunft von Stählis Unternehmen liegt, ist klar: in der Gartengestaltung. Unklar hingegen ist, was mit der Alpina-Liegenschaft in Langnau passiert. Das Gebäude mit der integrierten Dreieinhalbzimmerwohnung ist sanierungsbedürftig. Besitzer Reto Stähli kann zurzeit noch nicht sagen, wie es damit weitergeht.

Link zum Artikel in der Berner Zeitung

Erstellt: 01.07.2014, 07:29 Uhr